Ein Raeto-Bayer im Exil
By Thomas Kaier

Am nächstfolgenden JAHC am 21.Jänner 1929 wurde der damals noch sehr junge AH. Dr. Robert Salcher v/o Robi als neuer Philistersenior gewählt. Mit viel Opfermut, viel Geschick und Erfolg waltete dieser bis heute (Anm.: 1963) und weiter seines Amtes. Es ist in der Geschichte des CV ein einmaliges Ereignis, daß die Altherrenschaft einer Verbindung ununterbrochen durch 34 Jahre von demselben Senior geführt wird. Möge Dr. Robi noch recht lange unser Philistersenior bleiben!

Schon früher waren die Redakteure der Südtiroler Zeitung "Tiroler", AH. Dr. Klotz und Ah. Dr. E. Mair wegen ihres mannhaften Eintretens für die deutsche Bevölkerung Südtirols von den Italienern ausgewiesen worden. Besonders schwer richtete sich der Haß der italienischen Faschisten gegen den Gemeindearzt von Steinhaus im Ahrntale, AH Dr. Kiener Josef v/o Götz. Bitter litt das biedere, deutsche Bauernvolk des Ahrntales unter der Verfolgung durch die Faschisten und in seinem großen Leid und Elend suchte es bei dem von ihm vergötterten Arzt Kiener Rat und Trost: Das wussten die Italiener; falsche Anschuldigungen und Verleumdungen wurden gegen ihn erhoben und Mussolini selber sprach im Juni 1929 die Verbannung auf die Insel Ponza im thyrennischen Meer aus. In Ketten, eingezwängt in den berüchtigten Transportkäfig, wurde er in die Verbannung geschleppt, schwer litten er und seine Gattin in dem Exil. Als er endlich den Verbannungsort verlassen durfte, kehrte er nach Steinhaus zurück, obwohl ihm gute Arztstellen in Österreich angeboten wurden. Kiener wollte seine geliebten Ahrntaler in schwerster Zeit nicht verlassen.

Wenige Wochen nach dem Bekanntwerden der Verbannung des BB Götz feierte man in Innsbruck das 21. Stiftungsfest. Aber als Ausdruck der Trauer nur in sehr einfacher Form, jede Unterhaltung wurde weggelassen, man beschränkte sich auf CC, Gräberbesuch und Gottesdienst..