Wintersemester 1907/08
By Thomas Kaier

Das WS 1907/08 gestaltete sich zu einem richtigen Kampfjahr. Bei der Rectorinauguration in Prag wurden die katholischen Studenten aus der Aula hinausgetrieben. Der Kampf pflanzte sich auf die anderen Universitäten fort, in Innsbruck wurden die kath. Studenten auf der Straße fast jeden Tag überfallen und übel zugerichtet. Da brachte der Innsbrucker Universitätsprofessor und christlichsoziale Reichsratsabgeordnete Dr. Michael Mayer die Vorfälle vor das Parlament und verlangte Abhilfe.

In Innsbruck war der ärgste Hetzer gegen die kathol. Studenten der Universitätsprofessor für Kirchenrecht Wahrmund der die Katholiken in Wort und Schrift aufs schärfste angriff. Er schrieb an Dr. Mayer einen äußerst gehässigen offenen Brief, worin er die kathol. Studenten als "Auchstudenten", Denunzianten und als "Maulwürfe" bezeichnete, "die das Leben auf den Unis unterwühlten". Er sprach den katholischen Studenten jede Berechtigung ab, auf der Alma Mater zu weilen und kündete ihnen "den Kampf bis auf's Messer" an. Gegen die unaufhörlichen Schmähungen der kathol. Studenten und des Katholizismus überhaupt wurde von den gläubigen Tirolern mit einer von Tausenden besuchten Protestversammlung geantwortet. Da eine Beschwerde beim Senat der Universität keinen Erfolg zeitigte, wandten sich die kathol. Studenten zwecks Wiederherstellung ihrer schwer verletzten Ehre an die oberste Unterrichtsbehörde. Darauf wurden die Vorlesungen Wahrmunds sistiert, der Kampf um Wahrmund ging aber das ganze SS 1908 weiter.

Der Kampf auf der Universität hatte auch sein Gutes. Der Kampfesmut und die Opferbereitschaft der kathol. Studenten wurden aufs höchste entflammt, auch die Maturanten wurden von diesem Begeisterungssturm mitgerissen, immer zahlreicher traten sie in die Reihen des CV. Bisher bestanden in Österreich nur wenige CV Verbindungen: in Innsbruck 2: Austria und Leopoldina., in Prag 2: Ferdinandea und Vandalia, in Graz nur die Carolina und in Wien 5: Norica, Austria, Rudolfina, Nordgau und Kürnber.

Da hielt man die Zeit für gekommen, den sehr zahlreichen freiheitlichen Korporationen auch zahlreichere farbentragende CV-Verbindungen gegenüberzustellen. Die treibende Kraft und der Initiator war der AH. der AuI. und spätere Bandinhaber der R-B Richard Wollek, nach dem in neuester Zeit das Ehrenband des CV "Wollekband" benannt wurde. Auf seine Anregung hin wurden in dieser Sturmzeit gegründet: In Innsbruck: Raeto-Bavaria, in Prag: Saxobavaria (1907), in Graz: Traungau (1908), in Wien wurden 1908 gegründet: Nibelungia, Rugia, Macro-Danubia, Franco-Bavaria und 1909 Aargau