Eine Cartellfreundschaft wird geschlossen
By Thomas Kaier
Bereits relativ früh kam es zu Kontakten zwischen den einzelnen Studentenverbindungen und -vereinen. 1856 schlossen die „Aenania" und die „Winfridia" eine sg. „Cartellfreundschaft" ab, was zu Unrecht als Gründungsdatum des CV bezeichnet wird. Auf dem Katholikentag 1864 in Würzburg versuchten die dort vertretenen Verbindungen und Vereine zu einer übergreifenden Organisation zu kommen, was anfänglich sogar gelang („Würzburger Bund"), jedoch scheiterten 1865 die Bemühungen am Katholikentag in Trier, so dass ab nun die Verbindungen (CV) und die Vereine (KV, UV) eigene Wege gingen. Während der KV (Kartellverband) sofort konstituierte, gelang die Gründung des „Cartellverbandes der katholisch deutschen farbentragenden Studentenverbindungen" (CV) erst nach den Kriegen von 1866 und 1871.
Bereits die älteste Verbindung „Bavaria" kannte in ihren Statuten die Prinzipien Katholizität, Wissenschaftlichkeit und Lebensfreundschaft, die sich auch in den Statuten der "Aenania" wiederfinden. Auch die „Austria Innsbruck" kannte in ihrem Statut bereits diese drei Prinzipien. Aufgrund der Kulturkampfsituation wurde nie in Zweifel gezogen, dass es sich bei der Gründung der CV- (und auch KV-) Verbindungen um katholische handelt, d.h., dass deren Mitglieder engagierte und bewusste Katholiken zu sein haben. In der weiteren Folge erhielt das Prinzip Katholizität in der CV-Satzung noch die Ausformung durch Sittlichkeit und Antiduellität. Letztere war eine klare Absage an die sog. „Schlagenden" im Rahmen des universitären Kulturkampfes. Das Prinzip Wissenschaft war anfänglich eine Formulierung für die Bestrebung, sich einander beim Studium zu helfen. Erst gegen Ende des 19. Jhdt. entstand die heute gängige Interpretation (Politische Bildung etc.). Das Prinzip Lebensfreundschaft war eine Übernahme aus den bestehenden Lebensverbindungen, wobei es natürlich mit christlichem Geist erfüllt wurde.