Kategorie: 1908 - 1945

Ein Namenstag mit tödlichem Ausgang

zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 29. Dezember 2005 um 12:39 von Joker (Thomas Kaier)

Im WS 1912/13 musste die junge Verbindung den Tod des aktiven Burschen med. Max Ghezze v/o Roland erleben. Am 4. November feierten mehrere Raeto-Bayern und Austrier im "Jörgele" Namenstag und gingen nach Mitternacht nach Hause; alle waren völlig nüchtern. Vom 1. Stock des Breinößl, damals Hochburg der Freiheitlichen, rief ein Mitglied des Corps Gothia herunter: "Klerikale Schweine!" Auf die Aufforderung der kaum ein halbes Dutzend zählenden katholischen Studenten, sich ruhig zu verhalten, stürmten die Gothen in großer Übermacht auf die Straße. Roland musste seine Worte "Was sind wir, Klerikale Schweine?" aufs schwerste büßen. Fünf Gothen gingen auf ihn, der vollkommen unbewaffnet war und nicht einmal einen Spazierstock bei sich hatte, los. Roland erhielt mehrere Stockhiebe auf den Kopf und als er schwer verletzt nach Hause wankte, stürzte er bei der Triumpfpforte bewusstlos zusammen.

Der ihn begleitende Austrierfuchs aus Deutschland wusste sich nicht anders zu helfen, als daß er Ghezze der Polizei übergab, daß sie ihn nach Hause brächte. Anstatt aber Ghezze nach Hause zu bringen sperrte die Sicherheitswache ihn in den Arrest, nahm ihm trotz der großen Kälte der Novembernacht Rock und Überzieher weg, aus Fürsorge, um dem vermeintlich Volltrunkenen "die Atmung zu erleichtern." Die Polizei hielt nämlich die Bewusstlosigkeit des Roland für ein Zeichen der Volltrunkenheit.

Am folgenden Morgen suchten die Raeto-Bayern überall ihren Roland, zu Hause war er nicht, die "Rettung" wusste von nichts, als man zur Polizei ging, teilte diese "freundlich" mit, der volltrunkene Student schlafe im Arrest seinen Rausch aus. Ghezze schlief den schweren Schlaf eines zu Tode Verletzten. Die Bundesbrüder fanden Roland auf dem kalten Steinboden liegend, nicht zugedeckt, Gesicht und Boden wiesen Blutspuren auf. Um 11 Uhr vormittag bringen die BB den noch immer Bewußtlosen in seine Wohnung, der Arzt ordnet die sofortige Überführung in die chirurgische Klinik an, wo man diagnostizierte: Gehirnerschütterung schwersten Grades, verbunden mit Gehirnblutung Die sofort vorgenommene Operation brachte keine Hilfe. Roland schlief weiter und bei Anbruch des 7. November sah Raeto-Bavaria den ersten Toten aus ihren Reihen. Um halb 12 Uhr nachts, am 6. November 1912 war Roland als Blutzeuge seiner katholischen Gesinnung nach Empfang der hl. Sterbesakramente verschieden.

Am 9. November, 16 Uhr erlebte Innsbruck ein Begräbnis, wie man es kaum einmal sah. An die 10.000 Personen nahmen am Begräbnis teil oder flankierten die Straßen, der VOP führte die mehr als 70 Wichschargierten mit über 30 Fahnen. Der Rector magnificus und die Dekane der theologischen und medizinischen Fakultät, viele hohe Persönlichkeiten des Landes und der Stadt begleiteten Roland zum Grabe. Nur der freiheitliche Bürgermeister fehlte, denn seine städtischen Polizisten waren mitschuldig, daß Roland so traurig sterben mußte.


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