Kategorie: 1908 - 1945

Besetzung & geheimer Verbindungsbetrieb

zuletzt aktualisiert: Sonntag, 28. November 2004 um 14:08 von Joker (Thomas Kaier)

Promotion im SS 1937


Das Sommersemester 1938 hatte schon im Februar begonnen und die Vorbereitungen für das 30. Stiftungsfest waren im besten Gange, es sollte gleich glanzvoll gefeiert werden wie das 25. Doch es kam anders. Nach der Abschiedsrede des Bundeskanzler Schuschnigg, die im Radio veröffentlicht wurde und nach dem Rücktritt der österreichischen Regierung besetzte noch am Abend des 11. März 1938 die SS das Verbindungsheim der R-B und beschlagnahmte alles Inventar und Eigentum. Obwohl das Heim von der SS besetzt und bewacht war, drang der mutige BB Dr. Hans Platzgummer noch einmal ins Verbindungsheim ein, nahm die Fahne an sich und konnte von den überraschten Nazileuten unbehelligt das Lokal mit der Trikolore verlassen.

30. Stiftungsfest


Im Geheimen ging der Verbindungsbetrieb weiter; Dr. Hager August übte auch die nächsten Jahre hindurch das Seniorat aus. Das 30. und 31. Stiftungsfest wurden in Matrei in der Pension Kraft des AH Haymon gefeiert. Die Kneipen und sonstigen größeren Zusammenkünfte wurden außerhalb der Stadt abgehalten. Als im Herbst 1939 der Betrieb an der Innsbrucker Alma Mater eingeschränkt wurde, wanderten die Hörer nach München und Wien. Besonders in Wien pflegten die Raeto-Bayern ein reges Verbindungsleben und am 10. November 1939 konnte der FM Dr. Neyer den Neofuchs Hefel Ferdinand in einer Ottakringer Heurigenschenke recipieren.

Für die Altherrenschaft bildeten in Innsbruck der Philistersenior Dr. Salcher und Dr. Hermann Flora den Mittelpunkt der häufigen Treffen. Sie hielten auch mit den auswärtigen BB innigen Kontakt und bald fanden sich auch die seit 1933 abgeschalteten Bundesbrüder aus dem alten deutschen Reiche ein.

Drei Alte Herren mussten in die Konzentrationslager Dachau und Buchenwalde: Dr. Gleißner, Dr. Helbig-Neupauer und Dr. Klotz. Andere Bundesbrüder: die Altherren Meichlbeckh, Dr. Mutschlechner, Dr. Paßler, Dr. Flora wanderten mehrmals in den Kerker. Dr. Paßler, der knapp vor Kriegsschluß als Widerstandskämpfer von einem Feldgericht zum Tode durch Erschießen verurteilt worden war, entging nur dadurch dem sicheren Tode, daß die Russen überraschend schnell in die Oststeiermark einzogen.

Viele AH im öffentlichen Dienst verloren ihre Stellung und ihren Gehalt. Einige AH wurden für wehrunwürdig erklärt; alle anderen Bundesbrüder mussten einrücken. Achtzehn Raeto-Bayern verloren im Heide oder auf der Rückwanderung ihr Leben. Nicht wenige machten in langer Gefangenschaft unsägliche Strapazen mit; einige BB sind heute noch Schwerinvalide.


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