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Kategorie: 1908 - 1945
Die Situation an der Innsbrucker Klinik
zuletzt aktualisiert: Sonntag, 28. November 2004 um 14:04 von Joker (Thomas Kaier)Nun eine kurze Schilderung der Zustände in der Innsbrucker Klinik. Bis zum Jahre 1912, Sommersemester, war es einem CV-ver unmöglich, irgend eine Stelle, sei es auch nur als Praktikant., an einer Innsbrucker Krankenhausabteilung zu erhalten. Da war nun Raeto-Bavaria bahnbrechend. Von Prag war mit dem neuen Internisten Prof. Schmid ein jüdischer Assistent namens Dr. Bauer gekommen, bei dem es kein Praktikant aushielt, weil er zu viel Arbeit verlangte. Als die Praktikantenstelle zum Xten Male ausgeschrieben war, meldete sich BB Franz Hinteregger und wurde angestellt. Da er sehr fleißig war, hielt er durch.

Wenige Wochen später erlebte ein anderer Assistent das gleiche Geschick, daß kein Praktikant bei ihm es länger aushielt, es war Assistent Dr. Helm, ein AH einer Prager Burschenschaft. Da meldete sich bei ihm med. Mutschlechner und er wurde angestellt. Einige Wochen ging es recht gut; als aber am Fronleichnamstage nach der Prozession Mutschlechner in Raeto-Bayern-Couleur dem Burschenschafter Dr. Helm begegnete, war es um ihn geschehen. Am nächsten Tage wurde der CV-er vom Burschenschafter entlassen, weil ein "Praktikant nicht mehr benötigt würde". Aber schon drei Tage später war die Praktikantenstelle am schwarzen Brett ausgeschrieben. Von den sich meldenden freiheitlichen, italienischen, polnischen und kroatischen Studenten kehrte jeder schnell dem Assistenten den Rücken. Nach ein paar Wochen meldete sich Mutschlechner keck wieder, Assistent und Petent taten, als hätten sie sich nie gesehen und der Raeto-Bayer fand wieder seine Anstellung.
Für einen CV-er war es aber ebenso schwer in den übrigen Spitälern eine Stelle zu erhalten: Med. Mutschlechner hätte durch hohe Protektion in den Ferien 1912 eine Praktikantenstelle im Allgemeinen Krankenhaus in Linz erhalten. Direktor und Primarius war Primarius Dr. Brenner, AH verschiedener Burschenschaften und alldeutscher Politiker. Nach grandioser Aufnahme fragte ihn am ersten Abend der Assistent "Wo waren Sie aktiv?" "Bei der Raeto-Bavaria!" Die Gegenfrage: "Und wo waren Sie aktiv, Herr Assistent?". "Bei der Burschenschaft Suevia-Innsbruck". Am nächsten Morgen vor Beginn der Arbeit wurde BB Mutschlechner zu Primar Dr. Brenner zitiert, der erklärte, Mutschlechner müsse sofort das Spital verlassen, da hier für CV-er kein Platz sei, alle Ärzte würden sofort in Streik treten, wenn ein "Schwarzer" noch weiter hier verbliebe.
CV-er konnten sich vor 1918 nur im Krankenhaus der Kreuzschwestern in Weis, der barmherzigen Schwestern in Linz und Wien Gumpendorf und bei den barmherzigen Brüdern in Graz weiter ausbilden; alle anderen Spitäler waren für sie verschlossen.
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